Steyler Orgelgeschichte muß umgeschrieben werden
Name und Enstehungszeit revidiert : Aus Rheinischem wurde Schwäbisches
(STEYL/VIERSEN) Vorab ein dickes Lob an die Bonner Orgelbauwerkstatt Klais !! Ganz ohne Konkurrenzdenke kramten Firmenchef Philip Klais und sein Mitarbeiter Herr Bendel im Archiv, als der Orgelmagazin-Redakteur und Organist von Steyl mit einem Kollegen zu Besuch in Bonn waren. Und sie brachten den entscheidenden Hinweis auf eine andere Erbauerfirma, die einst in Steyl gebaut hatte. Im Firmenarchiv, genauer gesagt , in der Opusliste des renommierten Hauses Klais tauchte die Steyler Orgel, immerhin mit annähernd 40 Registern nicht klein disponiert, nämlich nur am Rande erwähnt auf.
Der Großbrand zu Kriegszeiten bei Klais hätte ein Indiz sein können , daß Akten verschwunden waren - nun aber steht fest, daß eben ein ganz anderer Orgelbauer eine Vorgängerorgel installierte, auf deren Fundament die heutige "Klais-Orgel" fußt. Streng genommen ist sie daher keine reine Klais-Orgel mehr, wovon man bis dato ausgegangen ist. Firma Späth aus Ennetach im Oberschwäbischen lieferte vielmehr nach der Einweihung des Missionshauses 1880 eine romantisch disponierte Orgel, die von Klais in den dreißiger Jahren optisch umgebaut und teilweise erweitert wurde. Wie Späth-Chef Hartwig Späth nun bei einem Besuch herausfand, sind fast sämtliche romantischen Grundstimmen und auch teilweise die Zungen aus einem Registerbestand von 1888 gebaut worden, wie kleine Stempeleindrücke in Pfeifenfüßen belegen. Diese "Neuigkeit" macht die Steyler Orgel mit einem Schlag um ein halbes Jahrhundert älter und rückt das hochinteressant klingende Instrument in eine andere Kategorie von Orgel, aus einer anderen Epoche, einem anderen Klangverständnis, einer anderen Herkunft.
Schon immer beeindruckte Organisten, Fachleute und Zuhörer der ungemein warme und volle, fast kathedralartig im Raum klingende "Sound" der auch optisch gewaltig wirkenden Orgel. Grund dafür sind entsprechende Materialien der Metalllegierungen, besonderer Mensuren und einer typischen Intonation, wie sie sachkundig zum Ende des 20ten Jahrhunderts augeführt wurde. Die neuen Erkenntnisse und Erkärungen teilen den Stimmbestand der großen Steyler Orgel in zwei interessante geschichtliche Teile : einen hochromantischen und einen eher gemäßigt orgelbewegten mit einem Schlenker zurück ins Pseudobarocke. Beide Registerparts sind so vielfältig vorhanden, daß eine komplette Belassung im jetzigen Zustand lohnt - sehr vielfältige Literaturrichtungen lassen sich in Steyl interpretieren - wenn denn im Herbst 2003 eine Überarbeitung und abgeschlossene Renovation getan ist. Daß die Steyler Orgel nach großen Bemühungen des Autors und musikalischen Leiters in Steyl, Jürgen Schröder, zunehmend ins Interesse der Fachwelt rückt, zeigt auch die Tatsache, daß in der letzten Woche ein Fachmann des niederländischen Staats, vergleichbar mit der deutschen Denkmalbehörde, auf die Empore stieg und anschließend den hohen Wert der Steyler Orgel bekräftigte ! Man darf gespannt sein, was die Renovierungen bringen werden - mit Sicherheit zukünftig hochkarätige Orgelmusiken im Missionshaus, dessen Gründer im Oktober in Rom heilig gesprochen wird. (T. + B. :JüSch)
Hauptwerk: (C-a3) | Schwellwerk: (C-a3) | Pedal: (C-f1) | Koppeln und Spielhilfen: |



