Zwei fröhliche Landmänner an der Niers :
Brahms und Schumann auf Landpartie !
Brahms, Schumann und die Niers
Wenigen Zeitgenossen und Nachbarn des Autoren in den niederrheinischen Nachbargemeinden ist bewußt, daß große Musiker wie Johannes Brahms und Robert Schumann sich an den Ufern von Rhein, Maas und Niers aufhielten und Inspiration aus unseren flachen Gegenden mit den Kopfweiden und Schwarzbunten auf den Weiden zogen.
Das Orgelmagazin möchte Ihnen hier, im dritten "Adventskalenderblatt", eine kleine Episode wiedergeben, die der Chronist eines Viersener Heimatblattes einst niedergeschrieben hat. Johannes Brahms, der große Komponist und Pianist, Schöpfer einiger großartiger Orgelkompositionen (hier schließt sich der Kreis zur Orgelwelt und berechtigt im weitesten Sinne zum Einfügen der Geschichte in einen "Orgelkalender"), besuchte die Heimatgegend des Orgelmagazins und die Heimatstadt seines Verfassers oft ..... aber lesen Sie selbst und schmunzeln Sie vielleicht auch ein wenig.
Die abgeschiedene Lage an der Niers, mit ihrer typischen Flora, die Nähe zur wald- und abwechslungsreichen Grasheide und eine ausgezeichnete Küche trugen dazu bei, daß der Drinckhof in Grefrath-Mühlhausen zum Anziehungspunkt für Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung von Mülhausen wurde. Zu den Gästen , die zum Teil in eleganten Zweispännern anreisten, um im Drinckhof oder seiner Umgebung einige erholsame Stunden oder Tage zu verbringen, gehörten viele Besucher aus Krefeld und den Niederlanden, denen nach der Fertigstellung der neuen Eisenbahnlinie von Kempen nach Venlo eine noch günstigere Anreisemöglichkeiten nach Grefrath-Mühlhausen geboten wurden.
Johannes Brahms weilte am 10. Januar 1880 erstmals in Krefeld. Schon bald bildete sich um den berühmten Komponisten ein Krefelder Freundeskreis, dem namhafte Familien und Musiker (von Beckerath. von der Leyen. Dr. Gustav Ophüls. Prof. August Grüters u. a.) aus der Seidenstadt angehörten.Zusammen mit seinen Krefelder Freunden war Johannes Brahms : Natur- und Gaumenfreund
Brahms, der die Geselligkeit liebte und auch als Natur- und Gaumenfreund bekannt war, wiederholt Gast im Mülhausener Drinckhof, der während seiner Krefelder Zeit zu einem seiner beliebtesten Ausflugs- und Erholungsziele wurde. Die erste Einkehr von Brahms und seinen Krefelder Freunden im Drinckhof wird von H.Meisbach in ..Erinnerungen an Johannes Brahms" - nach Aufzeichnungen von Frau Prof. August Grüters u. a. - wie folgt geschildert: "Der Meister war ein großer Naturfreund. Täglich machte er, oft ganz allein, seine Spaziergänge. Es war kostbar zu sehen, wie der kleine gedrungene Körper, mit dem schönen kräftigen Kopf. auf den kurzen Beinen, dessen Hosen meist zu kurz waren, losstappte. Brahms hatte einen etwas tapsigen, unsicheren Gang.
Das konnte ich beobachten, als wir einen Ausflug aufs Land mit ihm machten.Es war ein Mittagessen im Drenkhof bestellt, ein gern besuchtes Bauernwirtshaus, wohin die Krefelder mit Vorliebe wanderten. Wir gingen bei herrlichem, klaren Frostwetter und Sonnenschein von Grefrath aus in einer halben Stunde zu Fuß. Brahms plauderte mit diesem oder jenem sehr vergnügt. Er schien sich äußerst wohl zu fühlen und sah kostbar aus mit seinen geröteten Backen. Dat maaht Ihr mich och neet parat !
Mir erzählte er von seinem Quintett, das ich noch nicht kannte. Das Mittagessen schmeckte Brahms sichtlich vorzüglich: er meinte scherzend, die Krefelder wüßten immer, wo es gut sei. Als der originelle Wirt an unseren Tisch herantrat, fragte einer der Herren: "Nun, Herr Jennekes, jüffet de kürte oder de lange Reih" (Speisenfolge), worauf Herr Jennekes erwiderte: "De lange". Darauf meinte Herr von Beckerath: "Dann wußten Sie wohl, daß hier der berühmte Herr Dr. Brahms mit zu Tisch kommen würde"; darauf der Wirt, mit einem charakteristischen Schwenken der Serviette, die er stets in der Hand hatte: "Enäh, Hähr, dat wohr mich neet bekennt, un dat maaht Ihr mich och neet parat'" -
Brahms lachte herzhaft." (Vgl. "Die Heimat", Krefeld, Nr. 5). Später zog es Johannes Brahms immer wieder zum Mülbausener Drinckhof und in seine Umgebung, die er wiederholt in größeren und kleineren Gesellschaften, mit der Eisenbahn, per Pferdekutsche oder auf Wanderwegen von Krefeld aus besuchte. Von einer gemeinsamen Wanderung ist bekannt daß man schon frühmorgens in Krefeld aufbrach und auf dem Wege zum Dorf Mülhausen in Kempen eine Pause einlegte, um hier die herrlichen alten Schnitzereien und Kunstwerke in der Probsteikirche zu besichtigen. Von hier wanderte man weiter nach Mühlhausen, nahm im Drinckhof das vorbestellte Mittagessen ein und setzte nach einer Pause mit einer Kahnpartie auf der Niers die Wanderung in Richtung Grefrath fort, um von hier mit der Eisenbahn nach Krefeld heimzukehren."
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