Kulturpädagogik live: Besuch bei der "Königin der Instrumente"
Wie das Unbekannte die Kreativität fördert
Was könnte für die Vier- bis Sechsjährigen eines Kindergartens in höchstem Grad „fremd“ sein? Da brauchte Jürgen Schröder, Student der Kulturpädagogik der Hochschule Niederrhein, Organist der Steyler Konzertorgel und Orgelmagazin-Webmaster, nicht lange nachzudenken: Das, was ihm selbst äußerst vertraut ist: die "Königin der Instrumente", die Pfeifenorgel.
Gut bestückt mit sehr kleinen und sehr großen Orgelpfeifen machte er sich auf den Weg zum katholischen Kindergarten Vorst (Tönisvorst) und ließ die Kinder erst einmal hinein blasen. Fotos von Orgeln, eine Klang-CD und Tonexperimente auf dem Klavier rundeten die erste musikalische Vorstellung ab. Zu einer Musik kam dann die Einladung, das Erlebte in einem ersten, frei gestalteten Bild wiederzugeben.
Mit diesem Bild als Geschenk an die "klingende Königin" im Gepäck, besuchten die 15 Kinder die Süchtelner Pfarrkirche. Dort bekamen die Kinder zunächst ein Orgelmärchen zu hören, das Jürgen Schröder an der Orgel in Musik improvisierend umsetzte. Die Kinder durften hinterher auch selbst einmal in die Tasten greifen.
Zurück in Vorst, wurden die vielfältigen Eindrücke postwendend wieder in freiem Malen zu Papier gebracht. Das Ergebnis bezeichnet Jürgen Schröder als „verblüffend“ und beeindruckend: Die Bilder waren im Vergleich nun teilweise abstrakter, oft bunter, mutiger, manchmal auch „lustiger“ als die der ersten Serie. Ein als ziemlich verhaltensauffällig geltendes Mädchen überraschte unverhofft durch große Konzentration beim Zeichnen, durch Einfühlungsvermögen und wesentlich gesteigerte zeichnerische Sicherheit. Dafür hatten die Orgelpfeifen gesorgt, die ihren Ruf des Fremden eingebüßt hatten. Zu untersuchen, wie der „Umgang mit dem Fremden“ die ästhetische Ausdrucksfähigkeit von Vorschulkindern verändert, war erklärtes Ziel des in der Region wohlbekannten Organisten und Pianisten. Sein Projekt war Teil des Seminars „Ästhetische Kompetenz“ im Fachbereich Sozialwesen.
Darin bekam „Musikpädagogik“ einen ganz neuen Beigeschmack.
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