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Orgelparadies Oberschwaben - und die passende Musik dazu

Historik regte an

Von: organpromotion.org

Zum vierten Male versammelten sich vom 2. bis 5. August 2007 OrganistInnen, Studierende und Orgelfreunde (diesmal aus Deutschland, Österreich, den USA und Japan) in Rot an der Rot, um süd- und mitteldeutsche, französische und italienische Musik des Barock und der Klassik an bedeutenden historischen Orgeln Oberschwabens zu spielen und zu besprechen. Original erhaltene alte Orgeln haben ihre eigenen Gesetze und können dem an heutige und relativ genormte Instrumente gewohnten "verwöhnten" Spieler ihre eigene Vorstellung von Artikulation, Finger- und Fußsatz, Tempo und Registrierung "liebevoll aufzwingen" und ihn herausfordern. Beim Umdenken und "sich Einlassen" mit den Sprachen einer barocken bis klassizistischen Orgel half der mit historischen Instrumenten und historischer Spielweise bestens vertraute ausgewiesene Spezialist und "Hausherr" der Holzhey-Orgel von Rot, Franz Raml. Außer an der überraschend vielseitigen und im Raum präsenten, unaufdringlich-strahlenden Roter Königin (1793), die sogar Stücke von Jean Langlais zulässt, fand der Unterricht in Weingarten, Ochsenhausen, Ottobeuren und an einem der frühesten erhaltenen Beispiele oberschwäbischer Orgelmacherkunst, der auf Daniel Hayl zurückgehenden Chororgel der Schlosskirche Zeil statt, jeweils mit den dafür geeignetsten Stücken, etwa aus der Feder Kerlls (Canzonen), Muffats (Toccaten I und VIII), Couperins, Schnitzers, Krebs', Speths und last but not least J.S. Bachs. Über den Rahmen hinaus kam auch der bedeutendste Orgeljubilar des Jahres, Dietrich Buxtehude, zu Wort und Klang. Franz Raml bereicherte die Teilnehmer über die Unterstützung beim bewussten Spiel hinaus mit seinem umfangreichen Wissen in Quellengeschichte, Orgelbaugeschichte und dem politisch-historischen Rahmen um die Kirchen und Orgeln herum. Nachdem der Dozent am Samstagabend selbst seine Holzhey-Orgel in einem Konzert und mit einem vielseitigen Programm, auch mit "mondäner" Schmunzel-Musik eines Padre Davide oder Léfébure-Wély vorgestellt hatte, waren am Sonntagabend die aktiven Teilnehmer selber aufgefordert, ihre nunmehr durch die historischen Orgeln bereicherten Stücke einem dafür dankbaren Publikum vorzustellen. Den Gottesdienst am Sonntagvormittag gestaltete Franz Raml mit Solistinnen seines Hassler-Consorts mit der "Missa puerorum" von J.G. Rheinberger. Zwei Stücke von Petrali, der Holzhey-Orgel geradezu auf den Leib geschrieben, entließen die Gottesdienstbesucher mit einem Lächeln in einen sonnigen Tag. Den Veranstaltern der Orgelakademie, OrganPromotion (Michael Grüber und Miriam Jedele) sowie dem Dozenten Franz Raml, ist von Herzen für eine in künstlerischer wie organisatorischer Hinsicht gelungene Veranstaltung zu danken. Wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten Sommer in Rot an der Rot wieder am ersten Augustwochenende.

(Prof. Dr. Ulrich Theißen, Universität Salzburg, Akademiestr. 24, A-5020 Salzburg, Tel. +43-662-8044-4503)


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