Zur Restaurierung der Barockorgel in Dilkrath 1995
Ein Portrait: Die Schouten-Orgel in St. Gertrudis Dilkrath, Níederrhein
Während mehr als 230 Jahren hat die Schouten-Orgel der Pfarrkirche St. Gertrudis Dilkrath verschiedene Umbauten erfahren, die zum Teil mit Änderungen der Disposition verbunden waren. So stellte sich dann auch zunächst bei der Zieldefinition der 1995 vollzogenen Restaurierung die denkmalpflegerische Gretchenfrage: Rückführung des Werkes auf den Originalzustand von 1762 oder weitestgehende Rückführung unter Berücksichtigung des gewachsenen Zustandes? Die für die Registerzugstangen bestimmten Öffnungen in der Rückwand der Orgel und die aus der ersten Bauzeit vorhandenen Dokumente wiesen eindeutig auf die ursprüngliche Hinterspieligkeit des Instrumentes hin. Eine Rückführung auf diesen Zustand hätte allerdings zur Folge gehabt, daß zuviel denkmalwerte Substanz verlorengegangen wäre. Die komplette Windanlage, die Registertraktur und große Bereiche der Spieltraktur hätten fundamental verändert werden müssen. Die Kostenträchtigkeit dieser Arbeiten, die zusätzlich erforderlichen baulichen Veränderungen der Orgelempore und das Votum der Kirchengemeinde führten schließlich zur Beantwortung der oben aufgeworfenen Frage: Entscheidung für eine weitestgehende Rückführung unter Berücksichtigung des gewachsenen Zustandes. Alle am Planungsprozeß beteiligten waren sich allerdings darin einig, daß die klingende Substanz wieder in den von Meister Daniel Schouten konzipierten Rahmen zurückzuführen sei. Die beiden Postulate -zeitgetreues Klangbild und Beibehaltung der Seitenspieligkeit- lenkten die Restaurierungsaktivitäten ganz eindeutig auf das Jahr 1850, in dem der Orgelbauer Peter Franziskus van Dinter die bis dahin wohl unveränderte Schouten-Orgel mit einer seitlichen Spielanlage versah, ohne jedoch die Disposition zu verändern. Der vom Orgelbauer van Dinter präzise dokumentierte Umbau und die im hellen Werkstattlicht der Firma Seifert, welche die Orgel 1995 restaurierte, sichtbaren Arbeitsspuren am Instrument gestatteten es letztendlich, ein schlüßiges Restaurierungskonzept zu entwickeln, Die auch in ihrer äußeren Gestalt sehr einfühlsam restaurierte Orgel überzeugt durch ihr authentisches und ausgewogenes Klangbil: Ein Kapitel Orgelbaugeschichte wurde zum Leben erweckt. Sollte Sie einmal der Weg in das reizvolle Schwalm-Nette Gebiet führen, dann versäumen Sie es nicht, der Kirche St. Gertrudis in Schwalmta-Dilkrath einen Besuch abzustatten.
Disposition:
Hohlpfeife 8' Schouten 1762
Flaut travers 8' Seifert 1995 DISKANT
Prestant 4' Seifert1957
Flaut douce 4' Schouten 1762
Nasard 2 2/3' Schouten 1762
Sesquialtera 2f. Seifert 1957/1995 BASS/DISKANT
Octave 2' Schouten 1762
Mixtur 3f. 1' Seifert1957
Trompete 8' Seifert 1995 BASS/DISKANT
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