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Restaurierung oder Universalorgel ? Ein Projekt in der Diskussion

Orgelrestaurierung in der Bernharduskirche, Baden Baden

Von: Andrea Schmoll

„Dem hochwürdigen geistlichen Lehrer Wilhelm Weitzel“ wurde anlässlich der Orgelweihe am 9. Oktober 1921 in St. Bernhard gedankt, hatte er sich für den Orgelbau eingesetzt.

Restaurierung bis zum 9. Oktober 2008?

Seit den 90-er Jahren zeigt die Kirchenorgel im schleichenden Prozess zunehmend Mängel. Angesichts eines großen Finanzierungsvolumens, stellte sich die Frage, ob die Gelegenheit der Orgelrenovierung genutzt werden soll,um das spätromantische Klangbild wieder herzustellen. Kritiker bezweifeln, ob Input und Output in Verhältnis stehen, denn eine Restaurierung ist teurer als eine Renovierung. Zur Klärung dieser Frage wurden Sachverständige eingesetzt: Zwischenzeitlich wurde sich für eine Restaurierung entschieden, da die Orgel dadurch eine Wertsteigerung erfährt. Bereits damit ist die Entscheidung gefallen, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Jürgen Schröder, der musikalische Leiter der Steyler Orgelwochen: „Ein historisches Instrument stellt den Organisten vor besondere Herausforderungen. Reinberger, Reger haben fantastische spätromantische Werke komponiert, ein historisches Instrument ist interessant und wertvoll.“

„Wie soll die Orgel nach der Restaurierung klingen?“

Chorleiter und Organist in St. Bernhard Harald Volz: „Blick und Gehör sind nicht stimmig.“ Wer in der hellen Jugendstilkirche den Blick auf die Schauseite der Orgel richte, welche im Jugendstil gehalten ist, erwarte das dazu passende spätromantische Klang bild. Das Klangbild einer Orgel versuchte damals ein Orchester nachzuahmen. „Erwartet werden weiche Flöten, charakteristische volle Streicher, sphärische Schweberegister, eine fulminante Klangfülle“, erörtert Harald Volz. Das Gehör wird jedoch enttäuscht, da die Orgel der Bernharduskirche diesem spätromantischen Klangbild nicht gerecht wird. Der Grund hierfür liegt inder Orgelbewegung, von welcher 1959 auch die Jugendstilorgel nach Meinung Harald Volz in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dem Trend folgend, wurde die Orgel einer Barockorgel angepasst. „Der damalige Orgelbauer versuchte die alte Dame in ein barockes Kleid zu pressen“, kritisiert Harald Volz aus seiner Sicht die Fehlentscheidung. Harald Volz argumentiert, dass die die Orgel der Bernharduskirche nach der Restaurierung in Baden-Baden die einzig erhaltene Orgel mit spätromantischem Klangbild sei.

„Eine Orgel sollte heute flexibel sein"

Werner Grabinger, kennt die Orgel der Bernharduskirche seit 41 Jahren, er war Schüler von Dr. Meermann und ist Toningenieur beim Südwestfunk. Organist ist er aus „Freude zur Musik“. Wenn die Restaurierung nach einem rein romantischen Klangbild ausgerichtet wird, so wird „das Klangbild, was wir jetzt haben, so nicht mehr geben“, erklärt Werner Grabinger. Auf die Frage, was er befürchte, lautet seine Antwort: „Heutzutage sollte eine Orgel flexibel sein. Eine Orgel sollte mehrere Stile spielen können und breitbeinig angelegt sein. Vor allem die Durchsichtigkeit geht verloren wie Flöten und aliquoten Mixturen.“ Werner Grabinger begründet, was er vermissen wird: „Die Polyphonie und Durchsichtigkeit des Klangs geht verloren. Er denkt an die Barockwerke – Bach und Polyphonie gehören zusammen. Wie wird Bach auf einer rein spätromantischen Orgel klingen?“

Gemeinsam mit dem Orgelbauer kann eine Lösung gefunden werden.Das dritte Manual ist eine Perspektive, um beiden Interessen gerecht zu werden, dort liegen klangliche Potenziale. Einigkeit und Optimismus besteht auch hinsichtlich der Frage, ob die Restauration zum 9. Oktober 2008 abgeschlossen sein wird. Harald Volzund Werner Grabinger teilen die Meinung, dass dies ein realistisches Ziel sei.


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