Bilder(c): m.ellmer
Aus alt mach neu: Wiedergeburt einer Walckerin
Renovierung und Umbau der Orgel der Dreieinigkeitskirche in Ludwigsburg
Die Orgel wurde 1972 von der ehemals in Ludwigsburg ansässigen Fa. Walcker neu erbaut. Die Disposition wurde durch den Orgelsachverständigen Dr. Hans Böhringer entworfen. Im Geiste des damaligen Kirchenumbaus wurde auch die Orgel in sachlich nüchterner Form neu gebaut. Einzelne tiefe Register im Pedal wurden von der vorher bestehenden Walcker-Orgel für den neubau übernommen. Die Disposition wurde mit wenig Grundton angelegt, obertonreiche Register dominierten damals die Registerauswahl. Die technische Realisation wurde unter Maßgabe eines großzügigen Platzangebotes für sonstige musikalische Nutzungen auf der neuen Empore angelegt. Dies führte jedoch bei der Orgel zu einer drangvollen Enge im Bereich des gesamten Pfeifenwerkes. Besonders im Schwellwerk entstanden extrem beengte Verhältnisse, dieses Werk steht vollständig in der rückseitigen Turmnische der Orgel. 1983 erfolgte eine erste Reinigung und klangliche Überarbeitung im Zuge der Kirchenrenovierung. Die Ausführung lag ebenfalls in den Händen der Erbauerfirma.
Die Orgel vor Ihrem Abbau:
Eine erneute dringende Reinigung stand dann ab dem Jahr 200 an. Eine starke Verschmutzung durch einen Brand im Treppenhaus in den 90er Jahren wurde damals nicht vollständig beseitigt. Viele Pfeifen sprachen vor Schmutz nicht mehr richtig an. Glücklicherweise viel diese Maßnahme nun mit der erneuten Renovierung und Neugestaltung des Kirchenraumes zusammen. Diese umfangrichen Maßnahmen machten den Ausbau des gesamten Orgelwerkes notwendig, boten so die Chance für eine gründliche Überarbeitung. Die neue Empore wurde um ca. 70cm tiefer angelegt. Dies bedingte einen Umbau des inneren Grundgerüstes der Orgel. Gleichsam schaffte diese Maßnahme im Schwellwerk viel Klangraum, neue register konnten so zugunsten eines grundtönigeren Klangbildes eingebaut werden. Die gesamte Technik wurde umfassend renoviert, optimiert und auch ersetzt. Traditionelle Werkstoffe wie Holz, Filz und Leder wurden 1972 durch industrielle werkstoffe wie Stahl, Aluminium und Schaumstoff in einem damaligen Fortschrittsdenken ersetzt. Diese Anwendung konnte jedoch aus heutiger Sicht in der kurzen Haltbarkeit nicht überzeugen. So wurden diese Materialien nun wieder gegen traditionelle Werkstoffe ausgetauscht. Die Registersteuerung erfolgte mit einem Mischsystem aus Pneumatik und Elektrik. Auch hier war die Haltbarkeit an Werkstoffen überschritten. Es wurde eine komplett neue Elektrik eingebaut, die Schleifen werden nun durch Schleifenzugmagnete bewegt. Der Gewinn war viel Platz im Unterbau, erstmalig seit der Erbauung der Orgel können auch alle technischen Bereiche gut zugänglich gewartet werden.
Als Zusatz wurde eine moderne Setzeranlage eingebaut, welche dem Organisten die Möglichkeit gibt, in tausendfachen Möglichkeiten Registerkombinationen abzuspeichern und aufzurufen. In Ihrem Erscheinungsbild blieb die Orgel beim Wiederaufbau unverändert. Das wuchtige Mahagonigehäuse wurde jedoch durch eine Restauratorin neu weiß gefasst. Es passt sich so denneuen Raumdimensionen und Gestaltungen besser an. Als von vorne nicht direkt, sichtbare, aber äußerst wirkungsvolle Maßnahme wurde das Gehäuse an der Rückseite/Orgeldach nun nicht mehr vollständig geschloßen. Die Maßnahme stellte sich bei den Intonationsarbeiten als sehr wertvoll heraus. Vor allem für das in der Turmnische stehende Schwellwerk ist die Absprache in den Kirchenraum so deutlich optimiert. Die Deckenstruktur unterstützt in ihrer Formgebung dieses Werk zusätzlich. Klanglich wurde die Orgel auch durch den Austausch von Registern optimiert. Im Hauptwerk und Schwellwerk wurden Streicherstimmen ergänzt, eine wichtige Klangtradition, die zur ursprünglichen Erbauungszeit der Orgel 1972 vollkommen verloren war. Der Bereich der weichen Flötenstimmen wurde durch Umstellen und ergänzen ebenfalls optimiert. Die Orgel besitzt nun eine breite und vielfältige 8' Basis auf allen Werken. Durch den Höhengewinn im Schwellwerk war dies unter anderem erst möglich. Bei den Zungenpfeifen wurde 1972 für die Schallbecher Kupfer und Messing verwendet. Das Ziel war damals, mit vielen Obertönen der diskantlastig geprägten Orgel gerecht zu werden. Durch die gewonnenen klanglichen veränderungen wurden nun auch hier neue Zungen eingebaut bzw. Schallbecher in Zinn/Blei Legierungen neu gefertigt.
&nb
I. Manual C - g''' RP | II. Manual C - g''' HW | ||
Holzgedackt | 8' | Pommer | 16' |
Rohrflöte | 4' | Principal | 8' |
Superoktave | 2' | Gamba | 8' |
Quinte | 1 1/3' | Gedackt | 8' |
Scharff | 4 - 4f. | Octave | 4' |
Dulcian | 8' | Quinte | 2 2/3' |
Tremulant | Octave | 2' | |
Großmixtur | 4 - 5f. | ||
| Cornett | 4f. ab g° | |
Trompete | 8' | ||
Tremulant | |||
III. Manual C - g''' SW | Pedal C - f' | ||
Hohlflöte | 8' | Printipalbass | 16' |
Viola | 8' | Subbass | 16' |
Schwebung | 8' ab c° | Oktavbass | 8' |
Principal | 4' | Flötbass | 8' |
Flöte | 4' | Choralbass | 4' |
Nasat | 2 2/3' | Rauschbass | 3f. 4' |
Nachthorn | 2' | Posaune | 16' |
Terz | 1 3/5' | Trompete | 8' |
Mixtur | 2 - 4f. | ||
Oboe | 8' | ||
Vox humana | 8' | ||
Trompete | 8' Koll.zug |
| |
Normalkoppeln; Sub III-III; Sub III-II, Sub III-I | |||
Koppeln/Nebenzüge: III/II, I/II, III/I, I/II, III/P, II/P, I/P, III/III 16', III/II 16', III/I 16' Zimbelstern
In wochenlanger Arbeit wurde die Orgel vor Ort neu intoniert. Die orgel klingt nun voller, wärmer, vielseitiger. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Eine Orgel die einem breiten Spektrum an Literatur gerecht wird, ist jedoch wie ihr äußeres Erscheinungsbild im Kern die "neue Orgel" von 1972.
Kommentare
Keine Einträge






