Feuilleton zur Orgel online - das Orgelmagazin

Persönlich - Philosophisches zur Orgel

Orgel Typologie

Von: Henrik Wirz

Aus der Antike sind Typologien (Platon/Aristoteles) überliefert, die den Menschen in Funktionen einteilen: Denken-Fühlen-Wollen (Begehren). Der Oberbau ist für den geistigen Bereich zuständig, der Mittelbau beherbergt das Empfinden/Fühlen, der Unterbereich ist mit dem Begehren, dem Triebhaften beschäftigt. Diese drei Schichten haben sich etwas bereichert bis heute bewährt. Der Eine ist dies mehr, der Andere das. Man ist also ganz schön gemischt kulturell tätig. Für mich sind die bekannten Orgeltypen, die Norddeutsche hell silbern klingende, die Romantische grundtönige und die Französische mit den tiefen, schnarrenden 16/32-füssigen Zungen Repräsentanten der genannten Typologien. Die vielen Aliquoten streben in den spirituellen, geistigen Bereich, die vielfältig sanften, gedeckten, leicht streichenden 8-füssigen, ätherischen umwärmen die emotionale Sphäre und die knorrigen, dröhnenden, röhrenden aber meist doch schlanken Tieftöner umwummern den trieblichen Teil unseres Körper-Ichs. Ich liebe Bach und die helle Barockorgel, ich mag die wärmende Reger-Orcherster-Orgel (Z.B. Walcker), ich schwärme für die französische zungige, unterleiblich-bäuchige, auch ätherisch schwebende Symphonie-Orgel. Was seid Ihr für Orgeltypen? Durch fleißiges Gottesdienstspielen ist man für alle drei Schichten exkulpiert.


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