Feuilleton zur Orgel online - das Orgelmagazin

...Hüerens, junger Mann, ja wo.....

kütt dann he de Musik erus ?

(von Jürgen Schröder)

In Erinnerung an eine nette ältere Dame, die nach einem Hochamt die Empore erklomm und mir in bester Niederrhein-Mundart ihr Anliegen schilderte. Genauso wie der netten Zeitgenossin (allzu selten verirren sich wie sie Kirchenbesucher einmal an den Spieltisch) will ich Ihnen eine möglichst gut verständliche und nicht allzu ausufernde Antwort geben. Nun aber Hochdeutsch !

Zunächst einmal das recht simple Prinzip der Pfeifenorgel !



Ein Organist betätigt mit einem Tastendrucküber viele Winkel und hölzerne Verbindungsbänder (Abstrakten)  hinweg das passende Ventil unter den Pfeifenreihen in der Orgel. Der Blasebalg, über einen Windmotor (Windmaschine)gefüllt und dafür gedacht, um permament einen nötigen Winddruck konstant zu halten, füllt von der anderen Seite her das Kanalsystem unter den Pfeifen mit stetigem Wind, Erst, wenn der Organistdas passende Register wählt und eine Schleife öffnet, und wenn er  mit der einzelnen Taste das Tonventil unter der betreffenden Pfeife öffnet, erklingt ein Ton, Also ein System, das sozusagen über Kreuz funktioniert - bei einer Orgel , die über mechanische Tasten- und Registerverbindungen verfügt. Fachleute sprechen dann von einer "mechanischen Traktur" !

Wenn Sie eine große Orgel vor sich und den schmalen Spieltisch davor oder unter oder neben dieser entdecken, können Sie erahnen, daß die Tastaturbreite über ein Wellenbrett quasi in die Breite multipliziert werden muß, um jeden Winkel des Instruments zu erreichen. Wie im folgenden Plan ersichtlich, besteht die Orgel aus vielen Pfeifenreihen, die jeweils eine unterschiedliche Klangfarbe erzeugen .....

Der Phantasie des Auftraggebers und des Orgelbauers sind somit fast keine Grenzen gesetzt. Wenn entpsrechende Mittel und der nötige Bauplatz vorhanden sind, können Orgeln im Extremfall bis zu 200 Registern (Pfeifengruppe mit einer bestimmten Klangcharakteristik) enthalten. Dies ist mehr in den Vereinigten Staaten verwirklicht. In Deutschland bilden Großorgeln wie im Passauer Dom (größte Kirchenorgel der Welt), dem Berliner Dom, dem Altenberger Dom oder der Marienbasilika Kevelaer (kleines Spieltischbild links unten und entsprechende Seite folgend) die Spitze an Orgelbauprojekten. Gerade Deutschland und - besondere Intention dieser Web-Page - am Niederrhein, ist die Landschaft voller interessanter Orgeln : alte, neue, bombastische, winzige, keck-spitz und kammermuskalisch intoniert, brausend und mit warmem, satten Klangfundament symphonisch ausgerichtet. Mit vielen Mixturen und knorrigen Posaunenbässen für Barockes prädestiniert oder mit vielen Zungenstimmen und überblasenden , melodiösen Grundstimmen ausgestattet, für die Orgelromantik z.B. bestens geeignet . (Zur Pfeifenkunde aber später mehr !!)


In Natura sieht der Aufbau einer Orgelmechanik (hier der Teil direkt über dem Spieltisch und unterhalb der Windladen mit Wellenbrett und Abstrakten, die senkrecht nach oben verlaufen) z.B. so aus : links ein Bild, aufgenommen hinter dem Spieltisch von innen; rechts ein Bild von meiner Vorster Orgel mit abgenommenem Notenbrett, dahinter sehen Sie die Abstrakten (Holzverbindungen von Tasten zum Wellenbrett und weiter zu den Ventilen).