Pfeifen und Tasten entlang des Rheins...
Lieber Leser, Ideen, hier etwas vorzustellen gibt es genügend und eher das Problem, die Zahl der Pfeifen, Gehäuse und Gemäuer vernünftig einzuschränken. Also werde ich nach wie vor eine erkleckliche Zeit hier hocken und Bilder sammeln, fruchtige Formulierungen aus den Fingern saugen - bis ich behaupten kann: Wer meine Webpage gesehen hat, der weiß in etwa in der linksniederrheinischen Organologie Bescheid ! (Prüfungsfragen kommen später !).
Erkelenz, St. Lambertus: Pfeifenturm im IKEA- Look
Also denn, werfen wir mal einen Blick in die katholische Pfarrkirche von Erkelenz ein weniger schmuckes Gemäuer, das dafür mit einer umso imposanteren Orgel im Chorraum links ausgestattet wurde. Erkelenz liegt übrigens am alten Handelsweg Düsseldorf-Aachen in der Selfkantregion und ist quasi mittig zwischen Mönchengladbach, Roermond und dem Tagebaugebiet Garzweiler gelegen.
Dort kam die Firma Oberlinger aus Windesheim orgelbauend zum Zuge, und das ist auch schon 22 Jahre her. Kinder, wie die Zeit vergeht !!
Erkelenz St.Lambertus - Lange
Tastenwege im Pfeifenturm
Vier Werke auf drei Manualen, und das alles übereinander gestapelt : Eckwerte der Orgel im Sichtwinkel der Kirchenbesucher. Erstaunlich erscheint, daß die Spieltraktur vollmechanisch schwindelnde Höhen erreichbar macht. Ein Brustwerk, ein mit Grundstimmen reiches französisches Schwellwerk und eine spanische Trompetenbatterie können ganz hübschen Krawall veranstalten - nette Beigaben wie ein Glockenspiel und ein Cymbelstern erfreuen sensible Gemüter im Adventsgottesdienst.
Tönisvorst-Vorst: Superakustik kieloben
Steht man vor dem äußerlich klein wirkenden Kirchenbau der envangelischen Gemeinde in Tönisvorst-Vorst, sieht man ein rot verklinkertes Haus mit großem Kupferdach, fast sieht es aus wie ein Schiff, das kieloben an Land gespült wurde.
"Kieloben mit Superakustik"
ev. Kirche Vorst
Organisten fahren womöglich achtlos vorbei - aber sie täuschen sich. Im Innern des sehr gemütlich wirkenden Baus ist eine fast perfekte Akustik für Sprache und Musik anzutreffen. In diesen schmucken Raum installierte die Firma Wilbrand-Coenen aus Übach - Palenberg nun in 1999 einen Orgelneubau, der nicht ohne Grund zu meinem Haupt-Übungsinstrument geworden ist. 20 Register können hier am zweimanualigen Spieltisch gezogen werden. Besonders die Spiel-Ergonomie ist sehr gelungen. Im unteren Teil des Instruments befindet sich ein kleines Schwellwerk mit dem interessanten"Dulzian" - Register.
Das Oberwerk (Hauptwerk) addiert eine Schalmey dazu, neben einer sehr silbrigen Mixtur im Manual II. und einer kräftigen Bombarde 16´ können interessante Aliquot-Kombinationen gewählt werden. Neben der stilechten Wiedergabe barocker Werke besticht dieses Instrument auch als fein intoniertes Kammmerinstrument !
Emmerich-Hüthum: Von einem Idealisten und seiner Orgel
In Hüthum am Niederrhein klingt es romantisch
aus einer neuen Fleiter-Orgel
(Einweihung: 11.11.2001)
Die katholische Kirchengemeinde St. Georg in Emmerich-Hüthum steht seit dem November 2001 in guter Gesellschaft mit vielen anderen niederrheinischen Kirchen - sie hatte investiert und weihte nun eine neue Orgel ein. Domorganist Schwering aus dem nahen Xanten spielte das zweimanualige Instrument im ersten Konzert. Und wie es landauf und landab momentan oft geschieht : Die Disposition wählte man vom Hüthumer Orgelplanungs-Komitee französisch, sprich mit kräftigem Klangfundament der Grundstimmen, mit farbenreichen Zungenstimmen und gehörnervenkitzelnden Aliquotstimmen.
In Huethum liest es sich an den Regiserzügen frankophil : eine "Voix céleste" entschwebt dem Gehäuse ins neugotische Kirchenschiff, eine "Tierce", "Nasard", "Octavin" und ein "Cor de Nuit" können spannende Klangensembles bilden.
Musik in Hüthum ab 2001
Eine "Bombarde" , 16´Fuß lang knurrt und knarzt majestätisch im Pedal und verleiht Tiefe. Die "Quinte"im Fußwerk erzeugt akustisch den Eindruck eines vorhandenen 32´Fuß Registers. Eine windreiche und weiche "Flute harmonique" ist im Hauptwerk dazu angetan , hochexpressif zu klingen und träumerische Kantilenen zu zaubern : Kurzum, die Huethumer Orgel hat alles, was ein französisches Werk so braucht , um entsprechende Musik spielen zu lassen. Herr Wirz, Orgelmeister an den Tasten, kann nun Widors, Mulets, Boellmanns, Daquins oder Litaizes üben, aber natürlich auch einen herrlich vollgriffigen Bach durch das Kirchenschiff klingen lassen. Dazu hat er zwei Kombinationsreihen am Spieltisch, was den Registranten entlastet.
Die Firma Fleiter aus Nienberge bei Münster plante, konstruierte und intonierte die neue Orgel in St. Georg, 30 Register stehen jetzt in Reih und Glied in einem Gehäuse aus massiver Eichen-Rahmenkonstruktion mit Füllungen. Die Spieltraktur ist hängend, 9 Register wurden aus einer Vorgängerorgel übernommen.
Ohne Zweifel - in Hüthum steht ein weiterer interessanter und höchst französisch-romantischer Akzent in der Orgellandschaft Niederrhein !
Krefeld-Fischeln: Brandneue Lukas -Fischer-Orgel
In Rommerskirchen wirkt eine Orgelbau- Werkstatt, die schon so einige Instrumente in der Niederrhein-Region installierte, so z.B. die neue Orgel der Laurentius-Gemeinde in Grefrath. Nun feierte man wieder einmal
Krefeld-Bockum
die Einweihung einer neuen Lukas-Fischer-Orgel in der Kirche St.Gertrudis in Krefeld-Bockum. Kirchenmusikdirektor Viktor Scholz spielte das Instrument in einem Einweihungskonzert mit breitgefächertem Programm. Mit ihren 35 Registern, 2191 Pfeifen (212 Holz/Eichenpfeifen, 1979 Metallpfeifen/Zinn/Bleilegierung) drei Manualen und vier Orgel- Teilwerken (Rückpositiv, Hauptwerk, Bombardwerk und Pedal) ist die Fischer-Orgel in Krefeld-Bockum eines der bislang größten Instrumente, die die relativ kleine Manufaktur (vier Mitarbeiter) auf die Beine bzw. auf die Empore gestellt hat. 
Mit Grefrath die zweitgrößte Orgel der Werkstatt
Von dieser erschallt es in Bockum demnächst vielfältig, denn außer dem Fehlen eines reinen Schwellwerks - Baumeister Fischer zeigt eine logische Konsequenz, wenn er bemerkt, daß zu wenige Register vorhanden sind, um ein eigenes Schwellwerk zu bestücken - hat die Orgel eine sehr vielfältige Palette an Registern zu bieten. Kantor Stefan Welters hat mit mehreren Mixturenfamilien in den Manualen, Grundstimmen-Gruppen auf 16- und 8-Fußbasis und einem akustischen 32-Fuß Pedalregister (Quinte 10 2/3) ein gutes Instrumentarium an der Hand, um sehr verschiedene Klangkonzepte bei Werkinterpretationen zu realisieren. Wohl da man am Rhein ist, klingt im Rückpositiv eine delikate "Unda maris", das Rohrgedackt in demselben Teilwerk besticht durch gekonnte Intonation.
Neben zahlreichen und erwartungsgemäßen Registergruppen einer neuen Orgel addiert die Fischer-Orgel in Bockum interessante Details wie ein Larigot 1 1/3, ein herrlich keckerndes Krummhorn 8', ein majestätisch-sonores Posaunenregister 16' im Pedal oder Klangkronen aufsetzende Scharff (4fach) und Schwiegel 2' - Register zum herkömmlichen Grundbestand dazu. Eine Extrazugabe der Disposition beschert dem Organisten ein drittes Manual : auf dem "Bombardwerk" tummeln sich feine
Dinge wie ein "Fagott 16', eine Trompete 8', eine Clairon 4' und ein 5faches Kornett (Diskant). Solistisch kann experimentiert und vielklingend kombiniert werden, im Plenum ist die Fischer-Orgel ein Kraftpaket, das den nachhallreichen Raum der neugotischen
Bombardwerk auf III
Pfarrkirche wunderbar zu füllen vermag.
Einige Register wurden der neuen Orgel, die in einem anmutig schlanken Eichenholz-Kleid mittig auf der Empore thront und im Schleierwerk des Prospekts Farbtongebungen der Kirchenfenster aufnimmt, aus einer Vorgänger-Orgel mitgegeben.
Grefrath: Opus maximum der Fischers

Eine weitere Fischer - Orgel, wie erwähnt , ähnlich groß und im Aufbau verwandt mit der jüngeren Schwester in KR-Bockum, steht im kleinen Örtchen Grefrath - nahe bei Viersen, zwischen Straelen und Süchteln, direkt an der Niers, Seidenstadt und Schlafstätte vieler Jung-Familien in schnuckeligen Einfamilienhäuschen.
Grefrath
Die Pfarrkirche ist sehr prägnant geformt, besteht eigentlich insgesamt aus ineinander verwobene Schiff-Teile und ist akustisch ein schwieriges Phänomen für Orgelbauer und Organisten. Dreimanualig wurde gebaut, sehr kräftig ist das Werk im Kirchenraum zu vernehmen.
Schwalmtal - Waldniel: Very british klingts im "Schwalmtaldom"

Dem Internet sei Dank - Waldniels neue Orgel
(SCHWALMTAL-WALDNIEL) Das Internet war daran beteiligt, daß im "Schwalmtaldom" der niederrheinischen Stadt Waldniel nun "very british" musiziert werden kann. Im vorderen Bereich der üppig dimensionierten Pfarrkirche steht seit Februar 2002 nämlich eine neue Chororgel , die auch gleichzeitig das mithin älteste und interessanteste Instrument darstellt, welches landauf und ab in diesen Tagen angeschafft und im Konzert eingeweiht wurde.
Glückliche Zufälle und das Internet
Mehrere glückliche Zufälle halfen, daß eine Orgel der englischen Firma "Anan" Einzug halten konnte : Eine üppige Spende eines nicht genannen Spenders machte sorgenfreies Planen möglich. Der Kontakt des Waldnieler Kirchenmusikers Bernward Ostendarp (über einen Studienfreund) zu einem jungen Orgelbauer aus Oelde, der wiederum die Verbindung über das Internet zu einer Wuppertaler Gebraucht-Orgelhandelsfirma fand, scharte Leute um einen Tisch zusammen , die sich tatkräftig um die Wiederauferstehung des kleinen, zehnregistrigen Instruments aus Culcheth bemühte. Aus der Nähe von Liverpool im Nordwesten Englands, karrte die Wuppertaler Firma Ladach die vor dem Zerhacken gerette Orgel heran, die in der Oelder Werkstatt liebevoll restauriert und umgebaut wurde.
Da die außerordentlich warmklingend-intonierte und grundstimmige Orgel ehemals in einer Wandnische stand, verpaßte der detusche Orgelbauer ihr den ersten Teil eines Außengehäuses, das auf Panzerrollen fahrbar bemacht wurde. Erstaunlich bei der Größe des immerhin zweimanualigen Instruments ! Der Werkaubau gliedert sich in ein kleines Hauptwerk ("Great") und ein wunderbar klangvariierendes Schwellwerk. ("Swell") mit Vollpedal. Diapason 8', Stopped Diapason 8', Dulciana 8', Lieblich Flute 4',
"Lieblich Flute auf Panzerrollen"
Corno Dolce 8', Salicional 8', Voix Coelestes 8', Oboe 8', Principal 4' und Bourdon 16 ' heißen die Register insgesamt, die , wenn es klanglich noch mehr sein soll, um eine raffinierte Idee multipliziert werden können in ihrer Klangwirkung. Über eine elektrische Steuerung, die per Zugmagnet die mechanischen Ventile öffnen und schließen, verfügt die Orgel nun über Super- und Suboktavkoppeln auf beiden Manualen.
Die Intonation in der Neuabstimmung auf den vergleichsweise riesigen Kirchenraum war aufwendig, zumal die meisten Register erst einmal von der Grundstimmung herunter gestimmt werden mußten. Daß ein überaus raumfüllender Klang erreicht wurde, überzeugte den Orgelmagazin-Redakteur bei eigenem Spiel beeindruckend. Optisch reizvolle Details der historischen Orgel von 1884 (laut Inschrift in einer Windlade) versetzen den Spieler und Betrachter gefühlsmäßg in ein anderes Jahrhundert. Alte Registerzüge, fast schon "museumsreife" Lichtschalter am Spieltisch oder die 
Rekonstruktion des eigenartigen Schwelltritts (s. kleines Bild) sind optisch anregende Beigaben der Waldnieler Anan-Orgel. Leider ging im Laufe des Transports ein Utensil am Spieltisch verloren, der das Flair des unverwechselbaren Instruments noch bereichert hätte - ein alter englischer Rasierspiegel mit kunstvoll geschliffenem Glas sorgte in good old Britain einst dafür, daß der Organist den Pfarrer im Rücken besser beobachten konnte.
Auf der neuen Anan-Orgel lassen sich wegen der 8' - Registerfülle bestens Chorwerke begleiten, aber auch konzertant ist das kleine und eigencharakteristisch klingende Instrument für einige Werke bestens geeignet. In der Region Niederrhein stehen zwar einige Orgelwerk des 19. Jh., es dürfte in Waldniel nun aber die erste britische Orgel aus der Epoche im Landstrich zwischen Rhein und Maas beheimatet sein.
(Texte und Bilder: JüSch)
Korschenbroich: ein niederrheinischer Orgelkultur-Schwerpunkt
Der folgende Text wurde mit freundlicher Genehmigung dem kirchenmusikalischen Jahresprogramm 2002 der Pfarre St. Andreas ,Korschenbroich, entnommen und hier wiedergegeben.
Dank für die Bilder an Herrn Olaf Hennig, Korschenbroich.
Rund um die Orgel an St. Andreas in Korschenbroich hat sich durch den Einsatz des "Freundeskreis für Orgelmusik an St. Andreas, Korschenbroich e.V." ( www. orgelfreundeskreis.de ) im Laufe der Zeit eine Orgelszene von internationalem Rang etabliert.
Der Orgelfreundeskreis unterstützt die Stadt Korschenbroich bei der jährlichen Veranstaltung der Internationalen Orgelwoche und im Zweijahresrhythmus bei der Organisation des Internationalen Orgelwettbewerbs, der jungen Orgelkünstlern ein Forum bietet, ihre Leistungen unter Beweis zu stellen.
In Zusammenarbeit mit der Stadt hat der Orgelfreundeskreis stets bedeutende Organisten aus aller Welt für die Konzerte der Orgelwoche und als Juroren für den Wettbewerb gewinnen können.
Die vom seinerzeitigen Kantor Franzjosef Franzen initiierten Aktivitäten der Orgelfreunde werden mittlerweile von Kantor Henning Dembski fortgesetzt.
Neben Orgelwoche und Wettbewerb organisiert der Orgelfreundeskreis über das ganze Jahr hinweg zahlreiche Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Orgel: Orgelkonzerte, Studiokonzerte, Meisterkurse, Orgelfahrten, Besichtigungen von Orgelbaufirmen und vieles mehr.
Vorst: historische Klänge und üppige Akustik
Wer als Organist und in Vertretungssachen viel unterwegs ist, lernt Kirchen, Orgeln und Leute kennen. Am Niederrhein sind letztere überwiegend katholisch. Wie katholisch schon unsere Vorfahren gewesen sind, davon künden regelrechte Kathedralbauten auch im letzten Bauern-Örtchen entlang Rhein und Niers. Auftrumpfend und wie eine fette Glucke das kleine Nestchen ringsum bewachend, werfen hierzulande neugotische Gemäuer ihren langen Schatten über Marktplätze : so auch in Tönisvorst - Vorst, zwischen Süchteln und St- Tönis gelegen. St. Godehard ist der Kirchenbau geweiht, der über eine stattliche Gewölbehöhe verfügt. Nicht weniger als fünf Sekunden Nachhallzeit legten dem Gastorganisten und Orgelmagazin-Autor nahe , es unbedingt auch einmal mit Viernes "Carillon de Westminster" zu versuchen. Selten trifft man so ideale Bedingungen für jenes Werk, in dem sich bewußt Glockentöne schichtweise übereinander legen sollen - dies schafft nur reiche Akustik, wie schon Vierne zu seinem Werk anmerkte.
Zur Akustik trifft der Besucher in der Vorster Kirche St. Godehard auf eine der bemerkenswertesten Klais - Orgeln der gesamten Region linker Niederrhein. Ein Schätzchen thront im kostbaren Echtholz-Prospekt auf der hohen Empore, denn mit der Opuszahl 183 verrät die beeindruckend klingende Orgel ihr frühes Entstehungsdatum. Ganz zum Ende des 19. Jh. muß das zweimanualige Instrument fertig geworden sein. Ganz Kind ihrer Zeit, spielt die Orgel auf vollpneumatische Tastenanforderungen ihre sonoren Klänge. Damit nicht allzu viele Töne ausbleiben, denn die unzähligen Lederkeilbälgchen und Membranen sind mehr oder minder bruchanfällig, klettert Hausmusikerin Ursula Neugebauer und ihr Mann oft reparierend in die Orgel. Vorbei an einem monumental dimensionierten Magazinbalg, der locker ein Ehe-Doppelbett samt Kommoden in den Ausmaßen umfaßt.
Noch lohnt das Reparieren : Nur als traumhaft kann man den historischen Stimmenbestand als Ohrenzeuge charakterisieren. Was die Batterie an differenziertesten 8' Füßlern in Haupt - und Unterwerk akustisch offenbart, sind kaleidoskopartige Lichterscheinungen in der Optik : Selten läßt sich mit Pfeifenorgeln so üppig kombinieren und Klangschattierungen hervorrufen. Ohne Zweifel, eine Klais-Gambe von 1899 hat umwerfenden Strich, ein Salizional im Duett mit einem weiteren weichen 8' kann im lagenversetzten Spiel die Nackenhaare kräuseln lassen. Kein Vergleich mit dem aseptischen Klang vieler Neuorgeln. 16' und 8' Grundstimmen in beiden Manualen und Pedal bei 26 Gesamtregistern künden , wohin das Klangideal der Vorster Orgel strebte : nach satter Wärme und Füllkraft. Dies gelang Klais souverän, wobei die Klangkrone bei weitem nicht vernachlässigt wurde. Kecke Aliquoten, silbrig-delikater Scharffklang im Unter - und metallisch vollklingender Mixturenklang im Hauptwerk runden oben ab. Dazu gesellt sich im Barockspiel z.. eine Posaune 16' im Pedal, die gravitätisch und majestätisch den hohen und weiten Raum füllt. Der aufmerksame Orgelmagazin-Leser liest unschwer Begeisterung zwischen den Zeilen. Richtig, gerade der Vergleich mit der Steyler Klais-Orgel von 1930 zeigt einmal mehr, daß die Instrumente der Zeit zwischen 19. und Anfang des 20. Jh. und aus dieser Bonner Werkstätte absolut erhaltenswerte Abbilder ihrer Erbauungszeit sind. Eine Zeit, in der man ausgesucht zu planen, disponieren --- und zu intonieren verstand.
Zum Abschluß dieser Eingangskolumne rechts noch ein Blick auf den historischen Spieltisch der Orgel (achten Sie auf die noch üblichen Registerhaken statt späterer Wippknöpfe) und der ehrliche Wunsch eines angetanen Gastorganisten an die Pfarrleitung in Tönisvorst - Vorst, St. Godehard : Investieren Sie in ein solches Instrument, damit es nicht verstummt. Kein Pfennig wandert in eine Restaurierungskasse - und diesen Mangel an gründlicher Fachpflege hält die beste historische Substanz auf Dauer nicht aus.
(JüSch)
Viersen, St. Remigius: Zur großen Woehl gesellte sich eine kleine Scholz-Orgel
Die Pfarrkirche St. Remigius in Viersen hat - neben der hinlänglich bekannten und großen viermanualigen Woehl-Orgel - nun organistischen Instrumentennachwuchs bekommen. Kantor Thorsten Konigorski kann auf der neuen und einmanualigen Orgel mit Pedal des Mönchengladbacher Orgelbaumeisters Martin Scholz Chorgesänge begleiten und Literatur einer ganz bestimmten Entstehungszeit und Stilrichtung angemessen spielen. Die Orgel gibt in ihrer sehr charakteristischen Bau- und Intonierungsart einen Orgeltypus vor, der sich an die Tradition der italienischen Chororgel des 14. / 15. Jh. anlehnt. Durchaus raumfüllende Wirkung und charakteristische Klangfülle mit nur recht begrenzten Registermitteln erreichten Orgeln jener Zeit- und Stilprägung. KMD Viktor Scholz, Vater des Gladbacher Orgelbaumeisters schreibt unter anderem in einer Orgelerläuterung auf seiner Webpage (www.viktorscholz.de):
Im Ripieno werden die typischen Principalregister mit den hohen Obertonreihen vereinigt. Dadurch wird ein gravitätischer Orgelklang erreicht, der auch größere Kirchenräume ausfüllen kann. Es dürfte nicht unerwähnt bleiben, dass man auf den einmanualigen Orgeln mit ihrem rudimentären Pedalwerk recht viele Solomöglichkeiten ausfindig machen kann. Ein Zeichen dafür mehr, dass die Instrumente nicht nur zur Begleitung parat standen, sondern auch für das solistische Spiel eingesetzt wurden.
Auch heute noch stellt die Disposition und Intonierung solcher "Kleinorgeln" an Orgelbauer eine große Herausforderung. Einem Minimum an Registerfülle sollte ein Maximum an musikalischer Ausdruckskraft gegenüberstehen.
Angelehnt von "kleinen Orgeln mit großem Ton", die Orgelbauer Scholz unter anderem in einer „ Piccolo Organo Settecentesco“ über einen Kontakt mit dem italienischen Meisterorganisten Giuseppe Zanaboni/Piacenza kennenlernte, entwickelten Vater Scholz (ideell) und Sohn Scholz (konkret) für Viersen ein einmanualiges Instrument mit Pedal , das ein äußerst schmuckes und von einem regionalen Künstler kunstvoll gestaltetes Gehäuse ziert.
Nachfolgend die Disposition des optisch und akustisch hochinteressanten Instruments :
Octave 8
Octave 4
Octave 2
Quinte 1 1/3
Voce umana
Bordun (Baß/Diskant)
Rohrflöte 4
Flöte 2 2/3
Cornet III
kleine Orgel im Blick: Waldnieler Heide . St.Mariae Himmelfahrt
Liebliche Posaune, Engel und Glas -
Die Orgel in St.Mariae Himmelfahrt, Waldnieler Heide
(T: von Marco Ellmer, B: JüSch)
Die Orgel der Pfarrkirche St. Mariae Himmelfahrt wurde im Jahre 1921 von der Aachener Orgelbauanstalt Georg Stahlhuth erbaut. Wie viele andere Orgelbauer schloss sich auch die Firma Stahlhuth den damaligen Strömungen im Orgelbau an, und baute diese Orgel mit Pneumatisch betriebenem Steuerungssystem.Dem Geschmack der Zeit entsprechend erhielt das Werk einen grundtönig orchestralen Klang. Die Orgel hatte damals 17 Registe, verteilt auf Hauptwerk, Positiv und Pedal. Sie befand sich auch in einem anderen Orgelgehäuse, das beim Neubau der jetzigen Pfarrkirche nicht mit übernommen wurde, sondern bis heute in der "Erbauerkirche", der Hauskapelle der Heil- und Pflegeanstalt Hostert steht (damals Franziskanerkloster).
Der heute vorhandene Spieltisch stammt aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die Orgel in Disposition und Technik verändert wurde. Das Orgelwerk, gebaut mit Schleifladen, bekam vor einigen Jahren einen Schwellkasten mit durchsichtigen Jalousien, der in Eigenleistung vom damaligen Organisten gebaut wurde, und die Orgel damit viel flexibler einsetzbar macht. Im Jahre 2001 fand eine Restaurierung durch die Orgelbaufirma Martin Scholz, Mönchengladbach, statt. Hierbei wurde ein neues Pedalregister eingebaut: Lieblich Posaune 16'. Es steht auf einer schon vorher vorhanden gewesenen Windlade.
DISPOSITION DER STAHLHUTH-ORGEL
Manual I (Hauptwerk)
Prinzipal...............8'
Lieblich Gedeckt........8'
Oktave..................4'
Kleingedackt............4'
Nachthorn...............2'
Mixtur 4 fach.......1 1/3'
Trompete................8'
Manual II (Schwellwerk)
Lieblich Gedackt........8'
Prinzipal...............4'
Koppelflöte.............4'
Prinzipal...............2'
Sifflöte............1 1/3'
Glöckleinton 2f.....2 2/3'
Oboe....................8'
Pedal
Subbaß.................16'
Offenbaß................8'
Choralbaß...............4'
Quintade................2
Lieblich Posaune.......16'
Koppelanlage und Spielhilfen
I/P
II/P
Supper II/P
Supper II/I (außer Betrieb)
II/I
Tremulant (Schwellwerk)
Handregister, freie Kombination
Zungenabsteller
Crescendo Walze


